Als Sportmanager und Event-Marketer verantwortet Herwig Straka zahlreiche emotionale und unvergessliche Momente. Was braucht es dafür? Ein Gespräch anlässlich seines 60. Geburtstages.
GRAZETTA • Wegen Ihres einzigartigen Marketings wurden Sie 2018 in die Austrian Event Hall of Fame des Branchenverbandes der führenden Live Marketing-Agenturen aufgenommen. Ihre Events gelten als Benchmarks für Österreich. Was macht eine gute Veranstaltung aus?
HERWIG STRAKA • Um unvergessliche Momente zu schaffen, muss man das Handwerk dafür gut beherrschen und kreative Grenzen ausloten. Und etwas auf die Beine stellen, dass es vorher noch nie gegeben hat. Wie etwa das ATP-Challenger-Tennisturnier auf dem Dach eines Grazer Einkaufszentrums. Und auch das Erste Bank Open in Wien schafft Emotionen, die in Erinnerung bleiben.
Seit der Gründung vor 35 Jahren veranstaltete die e|motion group unter anderem eine Lipizzaner-Gala im Gestüt Piber, die Austrian Golf Open, den UCI Mountainbike Weltcup oder die EM der Rhythmischen Sportgymnastik. Welche Sportart würde Sie noch reizen? HS • Die Sportarten, die für uns interessant sind, haben wir eigentlich erledigt. Mit Tennis, Reiten und Golf decken wir ja auch eine ähnliche Zielgruppe ab. Prinzipiell halte ich es mit dem Zitat von Pablo Picasso: „Ich suche nicht, ich finde“. Was bedeutet, dass nach so langer Zeit im Business die Freiheit da ist, Projekte anzugehen, die mich interessieren. Abgesehen davon zeigt die Erfahrung, dass mit der Ausrichtung von außergewöhnlichen Events die Chance größer wird, Geld einzunehmen.
Die e|motion group hat neben Wien, Stuttgart und Mallorca auch ein Büro in Graz. Wie oft trifft man Sie in Ihrer Heimatstadt?
HS • Mein Geschäftspartner Edwin Weindorfer ist beruflich verstärkt in Stuttgart und Mallorca tätig, aber beide sind wir nach wie vor emotional mit unserer Heimatstadt verbunden. Es würde hier vielleicht auch ohne ein eigenes Büro funktionieren, aber wir wollten nie weg. Vor zehn Jahren verlegten wir den Bürostandort von Seiersberg in die Grazer Innenstadt.
Anders sein, neu denken und aufmerksam machen, war immer Ihre Maxime. Woher kommen die Ideen für Neues?
HS • Es ist Teil der Persönlichkeit und man muss die Neugierde in sich tragen. Man ist viel unterwegs, schaut sich verschiedene Dinge an und kombiniert diese mit Erfahrungswerten. Deshalb ist Graz für die Erdung auch wichtig. Teilweise gibt es Ideen, die trage ich über Jahre mit mir herum und dann gibt es den einen Auslöser, der zur Umsetzung führt. Und es gibt Ideen, aus denen nichts wird. Weil sie, realistisch gesehen, nicht durchführbar sind.
Gibt es ein Beispiel?
HS • Bei der Ausschreibung für den Ryder Cup, ein mehrtägiges Golfturnier zwischen den besten Golfern Europas und den USA, standen wir im Finale, das dann Italien für sich entschieden hat. Aber ich traure keiner Idee nach. Und für die Austragung der Olympischen Spiele bin ich zu alt. Das, was wir tun, wollen wir noch besser machen und verfeinern. Aber prinzipiell darf man nichts ausschließen.
Sie haben viele Meistertitel im Schwimmen gewonnen. Später begleiteten Sie als Manager Sportgrößen wie Thomas Vanek und Thomas Muster. Wie relevant war die eigene sportliche Karriere dafür?
HS • Auch hier habe ich die Sportler nicht gesucht, sondern sie haben mich gefunden. Der Leistungssport verbindet und sorgt für eine andere Form der Akzeptanz. Aus eigener Erfahrung wusste ich, welche Opfer der Athlet bringt, dass er nicht omnipräsent sein kann und seine Ruhepausen braucht. Und es ist ein wesentlicher Faktor, wenn man selbst weiß, was es heißt, acht Stunden am Tag zu trainieren.
Gemeinsam mit ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick unterstützen Sie die Errichtung einer modernen Mehrzweckarena im Wiener Prater. Welche Zukunft hat Sport-Entertainment in Österreich?
HS • Der Sport konkurriert heute mit Entertainment wie Streaming-Anbietern oder dem Kino. Man muss Unterhaltung bieten, das war immer das Thema. Und die Menschen wollen nach wie vor ein Gemeinschaftsgefühl erleben. Insofern wäre ein modernes und universell bespielbares Stadion in Wien wünschenswert. Ohne private Investoren wird es allerdings nicht gehen. Unsere Leistungen und Veranstaltungen liegen im Premium-Bereich. Schon vor Jahren verabschiedeten wir uns als Unternehmen von öffentlichen Förderungen, weil es diese nur für einmalige Veranstaltungen gibt. Generell muss das Modell von Förderungen in der Gesellschaft überdacht werden. Man wird lernen müssen, für Projekte stärker auf eigenen Beinen zu stehen. In Österreich sind wir in einer schwierigen Situation, weil wir zwischen den großen Standorten wie New York oder London und den schwachen Märkten liegen. Wir haben Kitzbühel und Wien. Spielberg ist der Privatinitiative von Herrn Mateschitz zu verdanken. Insofern wird die Luft dünner.
Mehr zu Herwig Straka und der e|motion Group finden Sie unter https://www.emotiongroup.com/




